Erfolgreiches MD/LD-Training

© by Janine Eichmann 15.03.2011

 

 

 

„Wie trainierst Du erfolgreich Mittel- und Langdistanz?“ – eine Frage die uns häufig gestellt wird und nicht ganz einfach zu beantworten ist. In der folgenden Ausführung versuchen wir euch aufzuzeigen, wie wir trainieren.

 


 

Grundvoraussetzungen:

 

  • Gute, kopfstarke (mental starke) Hunde
    Für erfolgreiches MD/LD-Training ist dies der wichtigste Punkt. Ohne eine extreme Freude der Hunde am SCHNELL laufen kann man das Team körperlich noch so gut und hart trainieren, man wird immer langsam sein!

  • Flexibilität des Mushers und Bereitschaft für hohen Trainingsaufwand
    Um lange Strecken trainieren zu können ist man stark auf das Wetter angewiesen und muss extrem flexibel sein. Wir entscheiden von Woche zu Woche neu, wie trainiert wird und haben keinen starren Trainingsplan. Je nach Temperatur/Schnee wird dann kurz, schnell, lange oder hart trainiert.


Training:

Das Wichtigste ist die Erhaltung der Motivation bei den Hunden. Das Verhältnis körperliche Kondition/Erhaltung der Motivation ist eine schwierige Gratwanderung, die viel Fingerspitzengefühl erfordert. Es ist aber extrem wichtig, die Hunde mental nicht totzutrainieren. Etwas dagegenwirken kann man auch mit viel Abwechslung, wir wechseln unsere Trainingsstrecke/Trainingsgebiete praktisch bei jedem Trainingslauf.

 

Ebenso wichtig ist der körperlich schonende Aufbau und eine Vorbereitung entsprechend den erwarteten Verhältnissen.

Pfoten, Rücken, Muskulatur und Sehnen – alles muss schonend gestärkt und aufgebaut werden. Aus diesem Grund trainieren wir nie länger als 1 h mit Quad auf Dreck. Die langen Trainingseinheiten werden immer auf Schnee absolviert, es werden dabei ganz andere Muskelgruppen beansprucht. Auch wechseln wir die Zuggeschirre regelmässig (X-Back, V-Back diverser Hersteller) damit Skelett und Muskulatur nicht immer gleich be- und damit einseitig überlastet wird.

Auch achten wir uns, dass wir nicht top-präparierte Trails fahren. Löcher, Tiefschnee, Eis, Steine, Felsen usw. sind einerseits körperlich sehr fordernd und zudem auch mental stark beanspruchend. Diese schwierigen Verhältnisse können bei Trainings entsprechend kontrolliert angefahren und gemeistert werden – bei den Rennen ist Körper und Geist dann auf nicht perfekte Trails gut vorbereitet.

 

Wie ihr bemerkt habt reden wir nie von Kilometern. Wir trainieren nach Zeit. Die geforderten Kilometer können bei uns gar nicht entsprechend trainiert werden, also richten wir uns nach der Zeit, die die Hunde für die Renn-Strecke benötigen werden. Wenn ich eine Etappe an einem Rennen in geplanten 6h fahren werde, muss ich auch 6h-Trainingseinheiten trainieren. Aber bitte jetzt nicht 4x/Woche 6h trainieren (s. Gleichgewicht Motivation/Kondition).

 

Wir versuchen, möglichst oft harte Bergtrainings auf Schnee mit hohen Belastungen für die Hunde zu trainieren. Wir fahren im Training mit ca. 25-30 kg Belastung/Hund, dann wird später ein längerer Lauf am Rennen mit weniger Gewichtsbelastung viel leichter vonstatten gehen.

Natürlich müssen auch ein paar schnelle kurze Trainings (Galopptempo) eingebaut werden. 2 Wochen vor dem Rennen muss der konditionelle Aufbau abgeschlossen sein, dann wird das Augenmerk auf das Tempo gerichtet und es werden nur noch ganz kurze Speed-Trainings absolviert.

 

Wir behalten übrigens im Sommer (natürlich mit unverhältnismässig viel Aufwand verbunden) ein durchgehendes, angepasstes Training bei. Dies erhält eine gewisse Grundkondition und macht den Einstieg in das effektive Training leichter. Ausserdem können Disziplin verbessert und Junghunde antrainiert werden. Auf die Junghunde muss bei LD-Rennen vermehrt aufgepasst werden. Bevor die Hunde 3-4 Jahre alt sind fehlt ihnen die Erfahrung einzuteilen und bei sehr kopfstarken Hunden sind körperliche Probleme nicht selten, trotz gutem und entsprechendem Training.

 

Noch zu den Leadern. Wir trainieren unsere Leader erst ab 3 Jahren an, dann ist die gröbste Flausenzeit vorbei und sie sind mental ausgewachsen (wir haben nur Rüden, diese brauchen meist etwas länger).

Wir wechseln die Laufposition im Team ständig ab – die körperliche (Rücken) und auch mentale Belastung gleicht sich so besser aus. Es laufen so immer andere Hunde in lead, sie sind immer wieder mental entlastet und laufen das Leben lang gerne vorne.

Im Training laufen unsere Leader immer ohne Neckline. Beide Leithunde müssen so mitdenken. Ansonsten wird immer der mental Stärkere entscheiden und der Schwächere folgen. Mit diesem kleinen Trick wird der Schwächere gestärkt und wird lernen selbstbewusst vorne zu laufen.

 

Noch etwas zum Thema snacken/wässern. Nach unserer Erfahrung bringt snacken bei MD-Strecken keinen Vorteil. Bei Strecken unter 40 km snacken wir nicht. Bei noch längeren Etappen hat es sich bewährt leichtverdauliche Fette zu snacken, wir tun dies einmal nach ca. 2/3 der Strecke.

Gewässert wird natürlich vor und nach jedem Lauf – unterwegs wird von den Hunden zur Regulierung des Wasserhaushalts Schnee gefressen.

 

Auch die Fütterung darf natürlich nicht vernachlässigt werden. Wir füttern ein hochenergetisches Futter, ergänzt mit Frischfleisch. Die Hunde müssen bereits im Herbst vom Gewicht her gehalten werden können, ansonsten kann ein eventueller Rückstand nicht mehr aufgeholt werden. Bei Biwak-Etappen hat es sich bewährt, sofort nach Ankunft zu füttern, bevor sich die Hunde hingelegt haben. Später werden sie nicht mehr gut fressen…

 

Optimiertes Material spielt natürlich auch noch eine Rolle. Die Notausrüstung, bzw. die vorgeschriebenen 5-7 kg Ladung pro Hund sind sicher mitzuführen, noch mehr unnötiges Gewicht sollte man aber doch nicht mitschleppen. Wir fahren zwar LD auch gerne mit den etwas schwereren Tobbogan-Holzschlitten, haben aber z. B. unser Team so diszipliniert, dass wir mit 2 Ankern ein 8er Stake-Out befestigen können. So kann man sich das Gewicht von Stake-Out-Stangen und Hammer sparen. Auch Schlafsack und Zelt kann man dementsprechend in Leichtversionen mitnehmen.

 

Grundsätzlich gilt:

Vielseitige Beschäftigung, seriöser Trainingsaufbau und Erhaltung der Motivation mit einer gesunden Beziehung bringt den gewünschten Erfolg!